Konfliktstoff Wasser

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Wir drehen den Wasserhahn auf. Das Wasser fließt – kontrolliert wie kein anderes Lebensmittel. Für Menschen in den meisten Industrieländern ist das selbstverständlich. Wir baden in kontrolliertem Wasser, waschen unsere Autos damit und gießen die Pflanzen in unserem Garten. Wir verschwenden gigantische Mengen von Wasser bei der Produktion unserer Luxusgüter und veredelter Nahrungsmittel.

In den trockenen Regionen der Welt sind es vor allem die Flüsse, die für die Wasserversorgung der Bevölkerung und der Landwirtschaft sorgen. Doch Flüsse halten sich nicht an Ländergrenzen. Konflikte um das begehrte Gut Wasser sind damit vorprogrammiert. Der Trinkwasser-Experte Jürgen Elsaß sagt: „Es ist ein Frevel, wie wir mit dem elementaren Stoff unserer Existenz umgehen. Ich sehe durchaus die Gefahr, dass Wasser politische, im schlimmsten Fall militärische, Konflikte auslösen kann“.

Seit Jahrhunderten bekämpften sich Staaten um den Zugang zu Rohstoffen wie Gold, Öl und Diamanten. Wasser als Kriegsgrund spielte so gut wie nie eine Rolle. Doch das könnte sich bald ändern. Laut einer Studie im Auftrag des US-Außenministeriums hat die Gefahr von Wasserkriegen deutlich zugenommen. Auslöser dieser Entwicklung sind vor allem das Bevölkerungswachstum und der Klimawandel. Die Vereinten Nationen prognostizieren ein Wachstum der Weltbevölkerung bis zum Jahr 2040 von derzeit etwa sieben Milliarden Menschen auf neun Milliarden. Die Süßwasservorkommen der Erde werden bei weitem nicht mehr reichen, den Bedarf zu decken. Mit anderen Worten: Wasser wird seltener. Es wird ein wertvoller Rohstoff wie Gold, Öl und Diamanten – und um diesen werden Kriege geführt.

Etliche Konfliktgebiete deuten sich bereits an: Israel streitet seit Jahrzehnten mit seinen Nachbarstaaten und den Palästinensern um das Frischwasser des Jordanbeckens. Obwohl die Verteilung des Wassers im Osloer Friedensvertrag von 1994 formell geregelt werde, bezichtigen sich beide Seiten gegenseitig, zu viel Wasser zu verbrauchen. Noch größeres Konfliktpotenzial liegt an den Flüssen Euphrat und Tigris. Die türkische Regierung plant den Bau von 22 Staudämmen für Bewässerung und Stromerzeugung. Der flussabwärts gelegene Irak ist wenig erfreut, weil kein Wasser mehr ankommen würde. Sobald die Verhältnisse sich in Bagdad stabilisieren, ist ein Konflikt mit der Türkei wahrscheinlich. Am Nil ist es ähnlich. Als das dürregeplagte Äthiopien ein Bewässerungsprojekt startete, drohte Ägypten mit Krieg. Auch Pakistans Landwirtschaft hängt an einem einzigen Fluss: dem Indus. Genau entlang dieses Flusses baut Indien Dämme zur Stromerzeugung. Weiter östlich wird Chinas Durst nach Flusswasser zunehmend zu einem Problem. Um die boomende Industrie mit Strom zu versorgen, plant Peking die umfangreichsten Dammbauten, die je ein Land vorgenommen hat. Für die flussabwärts gelegenen Länder kann die Versorgungslage kritisch werden.

Der Planet ohne Wasser

Experte Jürgen Elsaß kommentiert die Situation wie folgt: „Der Welt könnte langsam das Wasser ausgehen. Wasserknappheit ist bereits heute eines der größten globalen Probleme, mit denen sich die Menschheit konfrontiert sieht. Verschmutztes Trinkwasser ist weltweit Krankheitsursache Nummer eins. Um so mehr sollten wir mit unserem Trinkwasser behutsam umgehen.“

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