Jung und gescheitert

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Multikulturelle Gesellschaft, mediale Reizüberflutung, Überforderung der Eltern, Dominanz des Konsums: Jugendliche sind überfordert und verlieren die Orientierung. Wenn dann noch Probleme in der Familie, finanzielle Not, Unterdrückung durch Cliquen auf dem Schulhof oder sprachliche Defizite hinzukommen, geraten junge Menschen leicht ins Abseits oder im schlimmsten Fall in Milieus, die jede private und berufliche Zukunft versperren.

Nicht nur in Metropolregionen wie Berlin und dem Ruhrgebiet entstehen immer mehr soziale Brennpunkte. In der Regel sind es Jugendliche, die in einem gefühlskalten, gewaltbereiten Umfeld vom Zugang zu Bildung und sinnvoller Sozialisierung abgehängt werden. Einige Orte werden von Gewalt und Drogenhandel geprägt, zu No-Go-Areas erklärt, wie in Berlin das Cottbusser Tor, Wrangel Ecke Skalitzer oder einige Stadtteile im Norden des Ruhrgebietes. „Die Gesellschaft steht hier vor einer riesigen Aufgabe“, so Astrid Müller, Geschäftsführerin der Paritätischen Berufsfachschule für Sozial- und Pflegeberufe in Hausach im Kinzigtal. Die Expertin erläutert weiter: „Selbst hier, weit entfernt von einer Metropolregion, verzeichnen wir zunehmende Verhaltensauffälligkeiten, Gewaltbereitschaft und soziale Abstiege bei jungen Menschen.“

Astrid Müller sieht die Lösung des Problems unter anderem in einer verbesserten Ausbildung und Qualifikation der Erzieher in der Kinder- und Jugendhilfe. „In der Erziehung tätige Fachkräfte müssen noch besser befähigt werden, junge Menschen in ihrer individuellen und sozialen Entwicklung zu fördern, damit Benachteiligungen am besten vermieden oder abgebaut werden. Dazu braucht es persönlich gereifte, fachlich qualifizierte und berufspraktisch kompetente Fachkräfte, die in der Lage sind, hilfreiche Beziehungen aufzubauen und zu halten,“ meint die Geschäftsführerin der Paritätischen Berufsfachschule. Ein hoher Anspruch an das Erziehungspersonal und noch mehr an eine Bildungseinrichtung wie die Paritätische Berufsfachschule. „Förderung der persönlichen Entwicklung, Reflexionsfähigkeit, Anerkennung, Wertschätzung und Authentizität sind die Schlüsselthemen. Der Anspruch an Erzieher in der Jugendhilfe ist hoch, die Belastung der Arbeit mit Jugendlichen in sozialen Brennpunkten kann enorm sein und ist nicht leistbar ohne eine gute Aus- und Fortbildung“.

Ein Beruf mit Zukunft

Das Berufsbild Erzieher mit Schwerpunkt Jugend- und Heimerziehung bekommt in Anbetracht dieser Situation eine besondere Bedeutung. Astrid Müller macht das deutlich: „Jugend- und Heimerzieher müssen Multitalente sein. Neben Freude an der Arbeit mit Menschen, ausgeprägten pädagogischen und sozialen Fähigkeiten sind Erzieher Organisatoren, Psychologen, Gesprächspartner, Vorbild und strenge Pädagogen. In jedem Fall Vertrauensperson.“ Zu den Aufgaben eines Jugenderziehers gehört die enge Zusammenarbeit mit Eltern, Schulen und Behörden. Weitere Aspekte machen die Bedeutung der Jugendarbeit noch deutlicher: Die Stichworte sind Jugendarbeitslosigkeit und Fachkräftemangel. „Sinkende Einwohnerzahlen und alternde Gesellschaft bedeutet noch lange nicht, dass Jugendliche leicht in Arbeit kommen. Ohne Qualifikation, ohne Bereitschaft zu lernen und soziale Kompetenz bleiben Jugendliche ohne Arbeit. Die gesellschaftlichen Probleme und Ungleichgewichte verschärfen sich. Das zu ändern, ist ein Ziel unserer Einrichtung“, sagt Astrid Müller.

Nach der zweijährigen Ausbildung erwarten die Jugend- und Heimerzieherinnen und Jugend- und Heimerzieher vielfältige und spannende Tätigkeitsfelder: ambulante und stationäre Jugendhilfe, offene Kinder- und Jugendarbeit, Tagesgruppen, erlebnispädagogische Projekte, Kinder- und Jugendpsychiatrie, Behindertenhilfe und weitere Maßnahmen der Kinder- und Jugendhilfe. Die Paritätische Berufsfachschule für Sozial- und Pflegeberufe in Hausach bietet eine umfassende Ausbildung mit Theorie und Praxis. „Der Beruf des Jugend- und Heimerziehers ist sehr vielseitig und anspruchsvoll“, betont Astrid Müller. Ein Blick in die Liste der Unterrichtsfächer macht klar, was die Geschäftsführerin der Paritätischen Berufsfachschule meint: Pädagogik, Soziologie, Psychologie, Rechtskunde, Betriebswirtschaft, Umwelt- und Gesundheitserziehung, Religion und Ethik, Deutsch, Kunsterziehung, Spiel- und Theaterpädagogik. Ergänzende Module trainieren Gesprächsführung, Anti-Gewalt-Training und Medienpädagogik. Absolventen der Fachschule erwarten auf jeden Fall spannende und belohnende Tätigkeiten.

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