Im Interview: Baugrundsachverständiger Dipl.-Ing. Ralf Kordinand

Der Traum vom Eigenheim: Viele haben ihn und entscheiden sich für einen Neubau. Dafür fallen im Vorfeld unzählige Arbeitsschritte an. Hat man das Wunsch-Grundstück gefunden, will man am liebsten gleich loslegen. Jedoch sollte man vorab den Boden genau unter die Lupe nehmen, damit man lange Freude am Traumhaus hat. Dipl.-Ing. Ralf Kordinand ist Baugrundsachverständiger und klärt rund um das Thema auf.

  1. Wie sind Sie zum Beruf des Bausachverständigen gekommen und in welchem Bereich haben Sie besondere Expertise?
    Mein Dozent an der Fachhochschule in Hamburg hat mich auf den Beruf gebracht. Damals war das Feld der Bodenmechanik noch nicht so erforscht und es versprach ein spannendes Arbeitsfeld. Danach war ich lange Zeit im Spezialtiefbau tätig und habe somit auch eine andere Seite neben der Gutachterei kennengelernt. Theorie und Praxis konnte ich dabei mit neuen Einblicken verbinden und merkte in meiner Gutachtertätigkeit dadurch starke Unterschiede, besonders was die Umsetzung von Bauten und die Trockenhaltung der Baugrube sowie des Bauwerks betrifft. Mittlerweile bin ich seit über 20 Jahren Prüfsachverständiger für Erd- und Grundbau, wobei mich auch andere Prüfingenieure bei diversen Anliegen konsultieren.
  2. Welche Tipps geben Sie privaten Bauherren für den Hausbau an die Hand?
    Ich sage immer wieder, dass man nicht am falschen Ende sparen sollte. Wenn man erstmal das passende Grundstück gefunden hat, sollte man dieses auch genau überprüfen, damit man hinterher keine böse Überraschung erlebt. Dafür ist ein Bodengutachten unerlässlich. Ausschlaggebend ist natürlich immer die Frage: Was will ich wo bauen? Dazu kommt beispielsweise noch eine Unterkellerung, die wiederum neue Herausforderungen mit sich bringt. Danach richten sich anschließend die Untersuchungen. Gute Architekten wissen, dass man vorab alles untersuchen sollte. Diese verdeutlichen das den Hausbauern auch und treten danach schnell in Kontakt mit mir, damit die Untersuchungen losgehen können.
  3. Was wird beim Hausbau am häufigsten von Bauherren und Baufirmen unterschätzt?
    Viele unterschätzen bei der Baugrunduntersuchung den Faktor Zeit. Alles soll schnell passieren, damit es endlich losgehen kann. Das ist meistens nicht so einfach. Oftmals müssen wir zehn bis zwölf Meter bohren, damit alles sorgfältig bewertet werden kann. Das kostet schon zu Beginn Zeit. Danach müssen alle Proben ins Labor und gründlich ausgewertet werden. Erst dann kommen die Informationen zu mir und ich fertige das abschließende Gutachten. Dieses schreibt sich natürlich auch nicht über Nacht – die Statiker müssen schließlich auch etwas damit anfangen können. Bei Bauten aus dem öffentlichen Bereich kommt dann noch der Bauregisseur dazwischen. Dieser ist meistens auf die Einhaltung strikter Termine angesetzt, wodurch auch außerhalb des Privatbereiches die anfallende Zeit oftmals unterschätzt wird.
  4. Was wird bei der Baugrunduntersuchung vor der Planung des Baus genau untersucht?
    Wenn man sich den Umfang der Baugrunduntersuchung deutlich macht, wird klar, warum diese Zeit benötigt. Zu der Untersuchung gehören die Schichtenfolge des Bodens, der Wasserstand und eventuelle Wasserschwankungen sowie die Beschaffenheit des Wassers. Dazu kommen die Betonangriffsgrade. Die Betonrezeptur muss beim Bau auf diese Faktoren ausgerichtet werden. Zudem kommen Faktoren bezüglich der Abdichtung, Tragfähigkeit und Beschaffenheit. Der letzte Faktor ist unter anderem wichtig für den Abtransport des Bodenaushubs. Ist der Boden belastet, muss man beim Abtransport weitere Vorkehrungen treffen.
  5. Sie beraten auch während des Baus: Welche Aspekte können während des Bauprozesses noch aufkommen, die vorher ungeahnt waren bzw. warum ist die Beratung während des Bauprozesses so wichtig?
    Je nachdem, wie groß das Grundstück ist, können Unterschiede im Baugrund bestehen. Zwischen zwei Sondierungen mit einem Abstand von 25 Metern können sich Veränderungen in der Schichtenlage ergeben. Daher ist auch hier äußerste Vorsicht geboten. Dazu kommt noch die Nutzung des Grundstücks während des Baus. Falsches Befahren oder die falsche Erdbaurichtung können große Probleme bereiten. Da schreite ich dann zur Optimierung ein, damit auf der Baustelle alles mit rechten Dingen zugeht.