Leselust im Sommer

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Endlich Urlaub – endlich Zeit zu lesen: Die Strandliege im Süden, das Badetuch im Freibad oder der Liegestuhl im Garten eignet sich bestens zur Erholung. Ganz wichtig: Gönnen Sie Ihren Gedanken Urlaub vom Alltag. Wie Sie das schaffen? Mit einem guten Buch. Literatur führt uns ins Reich des Fiktiven, lässt uns träumen und entspannt unseren vom Stress geplagten Geist. Wir haben für Sie eine kleine Auswahl zusammengestellt, mit der Ihr Urlaub zur echten Entspannung wird.

Nenn mich einfach Superheld

von Alina Bronsky

© Kiepenheuer & Witsch

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Schwung, Witz und rasante Story: Der dritte Roman von Alina Bronsky erzählt eine Coming-of-Age-Geschichte, die bestens unterhält und kein Blatt vor den Mund nimmt. Die Autorin lässt den jugendlichen Helden in seiner authentisch schnoddrigen Sprache über die Unwegsamkeiten des Lebens berichten. Die Hauptfigur, der siebzehnjährige Marek, bleibt lieber im Dunkeln. Sein Gesicht ist entstellt, seitdem er seine Freundin vor einem Rottweiler schützte. Der Hund zerbiss ihm das Gesicht, die Operationen schafften es nicht, ein ansehnliches Gesicht zu rekonstruieren. Seine alleinerziehende Mutter bringt ihn zu einer Selbsthilfegruppe, einer Casting-Show „für besonders geeignete Krüppel“, wie Marek sie nennt. Die Gruppe lernt sich kennen und geht auf Reisen durch die Provinz. Einige tragische und viele witzige Zwischenfälle machen der Gruppe und dem Leser wieder mehr Lust aufs Leben. Oft bleibt einem das Lachen im Halse stecken – skurrile und dennoch leichte Unterhaltung.

Alina Bronsky: „Nenn mich einfach Superheld“. Kiepenheuer & Witsch, 2013. 240 Seiten, geb., 16,99 €

Heim schwimmen

von Deborah Levy

© Verlag Klaus Wagenbach

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Urlaub in Nizza: Das klingt nach Entspannung. Dachte sich auch das Ehepaar Jozef und Isabel Jacobs, die mit ihrer vierzehnjährigen Tochter und einem befreundeten Ehepaar das Urlaubsquartier an der französischen Riviera bezogen. Als ein nackter Frauenkörper im Pool treibt, ist die vermeintliche Idylle vorbei. Tod ist sie nicht, im Gegenteil: Sie bleibt. Kitty ist der Brandbeschleuniger für tief sitzende Konflikte. Die Stereotypen eines untreuen Ehemannes, flüchtender Ehefrau und unter der kaputten Ehe leidenden pubertierenden Tochter weichen einem Psychogramm der Protagonisten. Detailliert und pointiert gelingt es der Autorin Deborah Levy, in kurzen Kapiteln den Leser an die existenziellen Konflikte heranzuführen. Der Pool unter der heißen Sonne Nizzas erzeugt eine Szenerie, die Zeit und Muße gibt, sich den unbequemen Themen anzunehmen. Mal witzig, mal tragisch: gute Unterhaltung mit Tiefgang.

Deborah Levy: „Heim schwimmen“. Verlag Klaus Wagenbach, 2013. 168 Seiten, geb., 17,90 €

Wir träumten jeden Sommer

von Dagmara Dominczyk

© Insel Verlag

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Drei Freundinnen, die sich nach langer Zeit wieder treffen. Cover und Klappentext suggerieren seichte Unterhaltung ohne Tiefgang – zu Unrecht. Der Debütroman der polnisch-amerikanischen Autorin erzählt mit viel Humor und einem gekonnten Blick für komisch-tragische Situationen von Freundschaft, naiven Jugendträumen und der harten Realität des Erwachsenenalters. Dagmara Dominczyk erzählt aus der Perspektive von drei starken Frauen, die gemeinsam in einem polnischen Dorf aufgewachsenen sind und unterschiedlicher nicht sein können. Gemeinsam haben sie ihre Jugend voller Sehnsüchte und begegnen sich nach gescheiterten Beziehungen und Lebensentwürfen wieder. Sie haben sich auseinandergelebt und erwecken ihre Freundschaft zu neuem Leben. Ein Buch über Heimat und Emigration in die weite Welt, von Wünschen und zerbrochenen Träumen – über die guten, alten Zeiten der Jugend, die so gut eigentlich gar nicht waren. Ein Roman, der trotz aller Härte nie den Humor verliert. Ein Buch, in teils derber Sprache verfasst, die Spaß macht: genau das Richtige, für einen unterhaltsamen Badetag am See.

Dagmara Dominczyk: „Wir träumten jeden Sommer“. Insel Verlag, 2014. 285 Seiten, geb., 19,95 €

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