Giganten auf Reise

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Ein Ungetüm mit blinkenden Lichtern schleppt sich auf der Autobahn vor einer langen Fahrzeugkolonne Kilometer für Kilometer voran. Ein Transport mit Überbreite, der aussieht als bewege sich eine ganze Fabrik über die Straße. Meist passiert das nachts, wenn weniger Verkehr auf den Autobahnen herrscht. Was in einer solchen Situation im Hintergrund an logistischem Aufwand abläuft, erfordert eine Präzision, die nur von Spezialunternehmen geleistet werden kann.

Peter Uhlmann, Chef der Firma Industrie-Service Uhlmann in Philippsreuth, ist so ein Spezialist: „Industrietransporte sind nur machbar, wenn jeder in unserem Team absolut perfekt und fehlerfrei jedes Detail erledigt. Jeder Handgriff muss sitzen“, erläutert der Experte. „Der Transport auf der Straße ist nur der kleine sichtbare Teil des Projektes“. Die Arbeit an dem Meisterstück der Logistik beginnt lange vorher und ist am Zielort noch lange nicht erledigt.

Ein Puzzle aus vielen tausend Teilen

Zunächst muss die Route geplant werden. Nicht jeder Weg ist möglich. Brücken, Kurven, Ortschaften können sich als unüberwindliche Hindernisse erweisen. Genehmigungen, Polizeibegleitung und Sicherheitsmaßnahmen für Gefahrguttransporte müssen penibel organisiert sein. Sonst kann der Transport stecken bleiben. Dann geht es los. Die Demontage beginnt: Jedes einzelne Teil der Anlage wird erfasst und gekennzeichnet. Die Kennzeichnung muss unmißverständlich sein und ist Grundvoraussetzung für den reibungslosen Aufbau der Anlage am Zielort. Jetzt kann der eigentliche Transport beginnen. Autofahrer fühlen sich oft behindert, jeder will schnell nach Hause an seinen Zielort kommen. In Anbetracht der Leistung, die dahinter steht, sollte man jedoch ruhig bleiben und die Meisterleistung eher bewundern. Die Verlagerung von Industrieanlagen wird häufig für umfangreiche Instandhaltungsmaßnahmen genutzt. In der Fachsprache heißt das vorbeugende Instandhaltung. „Die Demontage einer Anlage ist eine gute Gelegenheit für Wartungsarbeiten, Reinigungsarbeiten und Austausch verschliessener Teile. Je nach Anlagentyp arbeiten wir hier mit auf die Technologie spezialisierten Ingenieuren zusammen“, erläutert Peter Uhlmann. Angekommen am Zielort beginnt die Montage der Anlage. In Deutschland gibt es nur wenige Transportunternehmen, die über die erforderliche Erfahrung verfügen. Grenzüberschreitende Transporte erfordern zusätzliches Know-how in Form von Landeskenntnis. Peter Uhlmann berichtet aus der Praxis: „Ein Transport über die europäischen Grenzen hinaus, z.B. in den Nahen Osten, kann schon einmal abenteuerliche Züge annehmen. Regeln und Ordnung wie wir es in Europa gewohnt sind, kann man nicht immer erwarten“.

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