Im Interview: Giganten unterwegs

  1. Sehr geehrter Herr Uhlmann, Transportunternehmen gibt es viele, aber nur wenige, die sich auf hochkomplexe Transporte kompletter Industrieanlagen spezialisiert haben. Wie kam es zu dem Einstieg in das Geschäft?
    Das Transportwesen unterliegt einem immer schärferen Wettbewerb. Mit dem Transport von Industrieanlagen besetzen wir eine Nische, in der nicht jeder ist. Unser Kapital ist unsere Erfahrung, neben der Fachkenntnis im organisatorischen Bereich. Natürlich mussten wir auch lernen. Inzwischen pflegen wir ausgezeichnete Beziehungen zu Maschinenherstellern und Monteuren, was in diesem Geschäft unabdingbar ist. Dieser Know-How Vorsprung verschafft uns in gewissem Rahmen ein Alleinstellungsmerkmal.
  2. Unsere Leser kennen Ihre Tätigkeit nur von der Autobahn, wenn ein Schwertranport mit Überbreite die Weiterfahrt behindert. Beschreiben Sie doch bitte, welcher logistische Aufwand dahinter steht?
    Der Planungsaufwand ist in der Tat immens. Die Bürokratie in Form von Genehmigungen und Versicherungen ist eine Sache. Hinzu kommt die Bereitstellung von Spezialfahrzeugen. Weiterhin ist entscheidend, das entsprechend qualifizierte Personal für solche Transporte zu haben. Die Menschen, die wir auf der Autobahn „behindern“, sehen nur die Spitze des Eisbergs. Der Transport selbst ist nur ein kleiner Teil des logistischen Aufwandes. Da kann man eigentlich nur um Verständnis bitten, zumal solche Transporte ausschließlich zu verkehrsarmen Zeiten und unter Beachtung einer möglichst geringen Behinderung des fließenden Verkehrs durchgeführt werden.
  3. Was sind das für Spezialfahrzeuge? Normale Tieflader oder Tankfahrzeuge, wie man es von normalen Transportunternehmen kennt, taugen vermutlich nicht?
    In der Tat nicht. Immer mehr Hersteller verwenden Mineralbetonbetten, was zur Folge hat, dass spezielle Luftfahrwerke zum Transport verwendet werden müssen. Dasselbe wird immer mehr notwenig, um die immer hochwertiger werdenden Fußböden in den Fabriken zu schonen. Neben den speziellen Fahrwerken verfügen die Transportfahrzeuge je nach Art des Transportgutes und der Anlagen über spezielle Halte-, Hebe- und Schwenkeinrichtungen. Jedes Fahrzeug ist eine Spezialanfertigung.
  4. Ihr Unternehmen leistet mehr als den Transport von A nach B. Stichwort: vorbeugende Instandhaltung. Was genau versteht man darunter?
    Maschinen und Anlagen solcher Größenordnung kosten eine Menge Geld und binden sehr viel Kapital. Unter dem Aspekt der Wirtschaftlichkeit ist es daher wichtig, dass die Maschinen schnell zum Zielort kommen, und vor allem nach dem Aufbau am Zielort sofort wieder unter Volllast einsatzfähig sind. Deshalb achten die Betreiber und wir als Transporteur auf permanente Wartung der Anlagen. Vor der Demontage werden die Anlagen geprüft, und wenn nötig, sozusagen vorbeugend gewartet. Nur so ist sichergestellt, dass nach der Montage am Zielort die Anlage sofort wieder wirtschaftlich und profitabel einsatzbereit ist. Vorbeugende Wartung ist eine Dienstleistung unseres Unternehmens, die einen engen Kontakt zu den Maschinenherstellern und Monteuren erfordert. Das sichert uns den Wettbewerbsvorsprung.
  5. Transporte außerhalb Europas, speziell in den Nahen Osten, können heikel sein. Können Sie unseren Lesern von Schwierigkeiten oder gefährlichen Situationen bei einem Transport berichten?
    Gefährlich wird es dann, wenn man nicht präzise plant. Gerade im Nahen Osten herrschen andere Gepflogenheiten, ganz abgesehen von zum Teil sehr viel schlechteren Straßenverhältnissen. Professionell geplant und dank unserer Landeskenntnisse gab es bisher keine gravierenden Vorfälle.