Im Interview: Judith Ovsenis von Valeovia Physiotherapie & Naturheilkunde

Ob Computerarbeit, schweres Heben oder große körperliche Anstrengung: Wir muten unserem Körper jeden Tag sehr viel zu. Oft bestraft er uns deshalb mit Schmerzen. Physiotherapeutin und Heilpraktikerin Judith Ovsenis gibt uns einen Einblick in ihren Berufsalltag.

  1. Wie sind Sie dazu gekommen, Menschen durch Physiotherapie und Naturheilkunde zu helfen?
    Vor der Geburt meiner Kinder war ich als Büroangestellte tätig. Ich war es also gewohnt, viele Stunden am Computer zu verbringen. Gewisse Schmerzen blieben dabei nicht aus. Ich habe also die Elternzeit dazu genutzt, mir darüber klar zu werden, ob ich den Beruf weiter ausüben kann und möchte. Da ich eine Zeit lang selbst auf Krankengymnastik angewiesen war, wurde mir der Berufszweig näher gebracht. Also habe ich mich informiert und eine Ausbildung begonnen. Allerdings fehlte mir bei der reinen Physiotherapie der ganzheitliche Ansatz. Deshalb habe ich meine Fähigkeiten in einer Ausbildung zur Heilpraktikerin ergänzt.
  2. Wie läuft der Erstbesuch in Ihrer Praxis ab?
    Meist rufen mich die Patienten im Vorfeld an und erklären mir, welches Problem vorliegt. Anschließend machen wir gemeinsam einen Termin. Beim ersten Besuch schaue ich mir den Patienten gut an. Auch wenn eine Verordnung mit Diagnose vom Arzt vorliegt. Im Rahmen einer Schmerzanalyse versuche ich Situationen zu schaffen, in denen die Schmerzen am stärksten sind. Zum einen, um die Ursache zu verstehen und zum anderen, um einen Vorher-Nachher-Vergleich machen zu können. Mir ist sehr wichtig, dass meine Patienten den Fortschritt anhand von solchen Vergleichen wahrnehmen. So stellt sich auch eine gewisse Positivität in ihren Köpfen ein, was für die Heilung sehr wichtig ist. Bei der Behandlung steht für mich die Mobilisierung meiner Patienten im Vordergrund. Sie sollen selbständig werden oder bleiben. Deshalb gebe ich ihnen auch Übungen mit nach Hause, die den Heilungsprozess vorantreiben können.
  3. Von welcher Behandlungsmethode versprechen Sie sich die besten Ergebnisse?
    Bei orthopädischen und chronischen Beschwerden, wie Migräne, Rheuma oder Fibromyalgie empfehle ich die Schmerztherapie nach Liebscher & Bracht (LnB). Dieser Ansatz ist in meinen Augen der richtige, weil hier nicht die Symptome sondern die Ursachen behandelt werden. Mit der LnB-Therapie kann schon eine Behandlung ausreichen, um Schmerzgeplagten neue Lebensqualität zu geben. Sie kommen in meine Praxis und sind von Schmerzen unterschiedlicher Art geplagt. Nach der Therapie fühlen sie sich meist deutlich besser und freuen sich über Mobilität.
  4. Wie funktioniert diese Therapie genau?
    Die LnB-Therapie packt den Schmerz buchstäblich an der Wurzel. Sie geht davon aus, dass in den meisten Fällen Muskelverspannungen für Schmerzen verantwortlich sind. Der Schmerz, der dadurch ausgelöst wird ist quasi eine Warnung vor wirklichen Schädigungen. In der Therapie löse ich also die Muskelverspannungen mithilfe der sogenannten Osteopressur-Technik. Im Anschluss an die Behandlung zeige ich meinen Patienten Übungen, die sie selbstständig durchführen können und die zur Heilung beitragen. Bei einer erfolgreichen Therapie kommt man also ohne Spritzen oder andere Medikamente aus. Das ist für mich ein riesiger Pluspunkt.
  5. Was gefällt Ihnen an Ihrem Beruf besonders? Welches Ziel verfolgen Sie?
    Für mich ist mein Beruf kein Beruf. Ich habe eine Affinität dafür, Menschen zu helfen und möchte ihnen vermitteln, wie wichtig es ist, Verantwortung für ihren Körper zu übernehmen. Viele wissen gar nicht, was sie sich mit fehlendem Bewegungsausgleich oder ungesunder Ernährung antun. Ich möchte meinen Patienten zeigen, dass sie Ihre Gesundheit selbst in der Hand haben und bei Schmerzen nicht sofort auf Chemie aus der Apotheke zurückgreifen müssen. Auch wenn die Schulmedizin bei vielen Krankheiten ein guter Weg für eine Heilung ist, so sind viele Schmerzen durch uns selbst behandelbar.