Scheidungskinder

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Was ist für Kinder schlimmer: Eine Scheidung der Eltern oder in einer unglücklichen Ehe aufwachsen? Psychologen haben sich mittlerweile von der Desasterperspektive Scheidung verabschiedet und halten eine gelungene Trennung für sinnvoller, als den täglichen Streit. Wie kann man sich im Sinne des Kindes „gelungen“ trennen – in dieser emotional aufgeladenen Situation? Es gibt keine einfachen Antworten, meint Familienanwältin Wolf.

Verliebt, verlobt, verheiratet. Am Anfang überlegt niemand, wie lange die Ehe wohl halten wird. Man hat sich schließlich nicht das Ja-Wort gegeben, um dabei bereits an Trennung zu denken. Mit den Jahren kommen Routine und Alltagsstress. Unterschiedliche Vorstellungen zu Erziehung, Alltagsleben und Urlaub trennen zunehmend. Nach langer Zeit der Entfremdung und vielen belastenden Kämpfen endlich die endgültige Entscheidung: Eine Ehe in Deutschland wird durchschnittlich nach 14 Jahren und sieben Monaten geschieden. Pro Jahr kommen 150.000 Trennungskinder nach Scheidung ihrer Eltern hinzu. 2,6 Millionen leben bei alleinerziehenden Müttern und Vätern. Trennungskind ist längst kein Schicksalsschlag mehr. „Entscheidend ist nicht, das sich Eltern scheiden lassen, sondern das wie“, weiß Renate Wolf, Fachanwältin für Familienrecht, aus eigener Berufserfahrung.

Beim Thema Scheidung ist vom unbestimmten Rechtsbegriff „Kindeswohl“ die Rede. Eine Gefährdung des Kindeswohls, wie es im juristischen Jargon heißt, betrifft „Härtefälle“, die von Gerichten individuell geprüft werden: Vernachlässigung, Misshandlung und sexuelle Gewalt sind die drei Hauptkategorien. Jenseits dieser Gefährdung kann eine Scheidung Kinder ebenfalls dauerhaft traumatisieren: Durch „Hochkonflikt-Trennungen“, wie Rosenkriege unter Fachleuten heißen. Hierbei werden die Streitpunkte Sorgerecht, Unterhalt und Besuchsrecht mit geballter Wut und Enttäuschung ausgetragen.

Getrennt gemeinsam erziehen

Bei Hochkonflikt-Trennungen eskalieren Streitpunkte oder schweben über Jahre hinweg über allen gemeinsamen Absprachen. Eine Situation, die es unbedingt zu vermeiden gilt. „Trotz Trennung der Eltern und Besuchsregelungen: Für die Kinder wird es immer eine Beziehung zu beiden Elternteilen geben. Kindeswohl bei Scheidung heißt für mich, eine Situation zu kreieren, die eine gute Beziehung der Kinder zu jedem Elternteil möglich macht“, so die Familienanwältin Renate Wolf. Der Scheidungsanwalt als psychologischer Betreuer? „In gewisser Weise schon. Der Scheidungsanwalt ist ein wichtiger Bezugspunkt. Streitpunkte können häufig gütlich geregelt werden. Dabei sind verbindliche Absprachen extrem wichtig.“ Ständiger Streit belastet Kinder nicht nur in einer Ehe, sondern ebenso nach der Trennung. Das Ziel muss lauten: Den Kindern ermöglichen, auch den „zweiten“ Elternteil lieben zu dürfen.

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