Wärmedämmverbundsysteme – Königsweg oder Augenwischerei

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Energetische Wärmedämmung ist seit einigen Jahren in aller Munde. Die Vorschriften der Energieeinsparungsverordnung (EnEV) werden fast jedes Jahr strenger. Der Markt der Anbieter ist für Laien schwer zu durchschauen. Genauso vielfältig wie die angebotenen Wärmedämmsysteme sind die Meinungen über Sinn und Unsinn bzw. Wirksamkeit der Techniken. In der Tat ist die Dämmung bei Bestandshäusern sehr viel komplexer als man denkt. Eigentümer, die eine Wärmedämmung planen, sollten sich auf jeden Fall Expertenrat einholen und genau überlegen, welche Lösung für das Objekt in Frage kommt.

Dieter Opitz, Inhaber des Malerbetriebs Opitz in Hamburg und Experte für Wärmedämmverbundsysteme, warnt: „Wärmedämmverbundsysteme sind grundsätzlich ein sehr guter Weg zur Dämmung, Energieeinsparung und damit zur langfristigen Senkung der Energiekosten. Der mehrschichtige Aufbau erfordert allerdings Erfahrung und sollte nur von Firmen mit entsprechendem Know-how ausgeführt werden. Ein Haus einfach nur dick einpacken reicht nicht“. In der Tat erfordert es fundiertes Know-how, die Einzelkomponenten so zu verarbeiten, dass sie dauerhaft ihren Zweck erfüllen und keine Bauschäden an der Unterkonstruktion oder im Wohnbereich verursachen. Aus der guten Absicht, Kosten zu sparen und etwas für die Umwelt zu tun, kann leicht ein finanzielles Desaster werden.

Raumklima, Lüftung, Feuchtigkeit

Von den Herstellern werden die Systeme als hocheffektive, kostengünstige und einfach aufzubauende Möglichkeit propagiert, das Eigenheim energetisch fit für die Zukunft zu machen. Geworben wird mit großen Zahlen, die ein Einsparungspotenzial des Energieverbrauchs bis zu 60 Prozent versprechen. Der Experte Dieter Opitz hält solche Werte für problematisch: „Der Einspareffekt hängt von vielen Kriterien ab. Ein Massivhaus oder ein Gebäude aus Betonfertigteilen haben ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Auch das persönliche Lüftungsverhalten spielt eine Rolle. Vor Beginn der Arbeiten sollte das Objekt genau analysiert werden.“ Hinzu kommt eine weitere individuelle Größe: Zeigt Zustand des Mauerwerks Feuchtigkeit oder Setzrisse macht es wenig Sinn, die Dämmung einfach davor zu hängen. Eine Dämmung kann unter Umständen den Schaden sogar verstärken und zu teuren Folgereparaturen führen.

Noch problematischer ist die Dämmung von Altbauten. Verzierte Fassaden lassen sich nicht einfach einpacken und die Vorschriften des Denkmalschutzes setzen enge Grenzen. „Die Sanierung eines Altbaus ist eine besondere Herausforderung und erfordert umfassende handwerkliche Erfahrung. Für uns Maler sind solche Projekte besonders interessant, da wir mit Farbe und Gestaltung Oberflächenstruktur Effekte erzielen können, die den historischen Charakter der Immobilie zu betonen und optische Nachteile der Dämmung kompensieren“, erläutert der Experte Dieter Opitz.

Beitrag zum Umweltschutz

Wärmedämmverbundsysteme sind im Hinblick auf Umweltschutz und Ressourcenschutz auf jeden Fall zu begrüßen. Dieter Opitz ist mit seinem Betrieb seit vielen Jahren auf das Thema spezialisiert und unterstreicht den Nutzen: „Probleme sind sicher nicht von der Hand zu weisen. Dies sollte aber nicht dazu führen, Sanierungsmaßnahmen und Wärmedämmverbundsysteme pauschal zu verteufeln. Einen positiven energetischen Effekt gibt es in jedem Fall, auch wenn die Einsparung nicht immer exakt quantifizierbar ist. Die Montage sollte immer ein Fachmann planen und durchführen. Optische Nachteile, besonders im Fall von Altbauten, können wir als Malerbetrieb in fast allen Fällen ausgleichen“. In Summe und bei sachgemäßem Aufbau überwiegen die Vorteile des Systems und der Beitrag zum Ressourcen und Umweltschutz im Rahmen eines ganzen Bündels von Maßnahmen ist nicht zu unterschätzen.

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