Der moderne Butler

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Sie servieren Tee, heißen James und öffnen Türen herrschaftlicher Anwesen. Sie stehen immer dezent im Hintergrund und sind stets zu Diensten. Zu den Herrschaften pflegen sie eine freundschaftlich-distanzierte Beziehung. Diese Vorstellungen vom Butler entstanden aus dem Alltagsleben der britischen Aristokratie und werden bis heute von Literatur und Kino gepflegt. Gibt es sie noch, die Butler?

Der Butler war eine Führungsperson: In großbürgerlichen und adeligen Haushalten war er der Dienerschaft übergeordnet. Der Butler organisierte den Tagesablauf des Personals, empfing die Gäste und servierte die Mahlzeiten. Seine, meist männliche, Stimme hatte Gewicht. Er war die rechte Hand des Patriarchen und der Dame des Hauses unterstellt. Nach 1945 nahm die Zahl dramatisch ab. Ein Butler passte nicht mehr in den modernen Lebensentwurf der oberen Zehntausend. Der Butler wurde zunehmend von Dienstleistungsunternehmen verdrängt, die ohne persönliches Angestelltenverhältnis den Alltag organisierten. Mittlerweile bilden private Akademien Nachwuchs aus, der den Reichsten der Reichen zu Diensten steht.

Marktlücke: Persönliche Rund-Um-Versorgung

Die wenigsten sind so gut betucht, dass sie sich festes Personal leisten können. Doch die Anforderungen der Leistungsgesellschaft machen Zeit zu einem wertvollen Gut. Vor einigen Jahren sind daher so genannte Hausmeisterdienste entstanden. Fliegende Hausmeister oder neudeutsch: Facility Manager. „Selbstständige mit großem Haushalt und ältere Menschen sind häufig auf Unterstützung angewiesen. Einen Butler kann sich niemand von Ihnen leisten“, meint Jens Fischer. Er führt den florierenden Hausmeisterdienst Jenners in Rostock und versucht einen Spagat: Hausmeister auf Abruf und persönlicher Begleiter zugleich. Jens Fischer und sein Team übernehmen hauptsächlich Kleinaufgaben für ihre Kunden: Gartenpflege, Autowaschen, kleinere Reparaturen. Alles, wofür sich ein teurer Handwerkerauftrag nicht lohnt. Ob er sich als moderner Butler versteht? Jens Fischer überlegt: „Ich habe fast ausschließlich Stammkunden. Da bin ich oft die gute Seele des Hauses. Aber: Ein Butler kennt nur einen Dienstherren, ich bin als Selbstständiger natürlich frei und unabhängig.“ Fischer lacht, „ich habe nur einen Dienstherren: meine Frau.“

Hausmeisteragenturen gibt es in Deutschland viele. Dienstleister, wie Jenners sind selten. Das Konzept ist einfach, aber genial: Eine Art moderner Butler für den kleinen Geldbeutel. Besonders ältere Menschen schätzen die persönliche Begleitung. Andere, die beruflich stark eingebunden sind, freuen sich über die unauffällige Erledigung der Alltagsaufgaben. Das Modell könnte zukunftsweisend sein. Über eine weitere Filiale außerhalb Rostocks denkt Jens Fischer noch nicht nach: „Ich freue mich, dass meine Idee so gut angenommen wird. Alles andere wird die Zukunft zeigen.“

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