Entspannt mit Alkohol?

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„Alkohol ist Dein Fallschirm und Dein Rettungsboot,“ intonierte Herbert Grönemeyer 1984. Ein kühles Bier entspannt, enthemmt die Schüchternen und läutet für Viele den Feierabend ein. Die Gesundheitsbranche warnt seit vielen Jahren und dennoch gehören Bier und Wein zu unserem Alltag.

Viele Jahrhunderte lang waren Bier und Wein wichtige Nahrungsmittel mit ritueller Funktion. Bis heute gehört Alkohol zu der gesellschaftsfähigsten Droge der Welt – Verbotsversuche, wie die amerikanische Prohibition vor dem 2. Weltkrieg, verfehlten fast immer ihre Wirkung. Die Freude am Rausch blieb, Alkohol gehört zu unserem Kulturkreis. Und das, obwohl die gesundheitlichen Folgeschäden dramatische Auswirkungen annehmen. 3,3 Millionen Menschen sterben weltweit jedes Jahr an den Folgen von Alkohol – Gewalt und Krankheitsanfälligkeit gar nicht einberechnet, berichtet die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Die Forderungen der WHO nach höheren Steuern und erschwertem Zugang zu alkoholischen Getränken stehen emotionalen Argumenten gegenüber: Das berauschte Miteinander im Stadion, der Kneipe oder beim Karneval wird zum Recht auf Genuss überhöht. Ab und an freizügig zu feiern sollte möglich bleiben, aber: Saufen, bis zum Verlust der eigenen Muttersprache, ist weder Kulturgut noch Genuss. Alkohol kann Genussmittel sein und als solches richtig gut entspannend wirken.  Dennoch ist Alkohol eine Droge, daher: Entscheidend ist ein verantwortungsvoller Umgang mit ihr.

Balkonbier und Restwürde

Ein Glas Wein zum Feierabend entspannt und ist gesundheitlich unbedenklich. Der Belohnungseffekt birgt allerdings eine große Suchtgefahr. Wer stattdessen nur am Wochenende trinkt, geht den Gefahren genauso wenig aus dem Weg. Hoher gelegentlicher Konsum ist schädlicher, als das stetige Feierabendbier. Alkohol ohne Risiko gibt es nicht – auch wenn man sein so genanntes „Limit“ kennt. So lange Alkohol derart leicht verfügbar ist und flächendeckend beworben werden darf, bleiben Aktionen zum Jugendschutz wirkungslose PR. Abseits der politischen Entscheidungen gilt: Wir suchen den Rausch und fürchten die Folgen. Schlimmer als ein fieser Kater am Morgen, sind Sucht und irreparable Eskapaden. Das Balkonbier ist absolut in Ordnung, wenn es Tage ohne gibt. Ein rauschendes Fest muss möglich sein, wenn man Restwürde und grundlegende Kontrolle behält. Denn vor einem warnte Herbert Grönemeyer im selben Lied: „Alkohol ist das Schiff, mit dem Du untergehst.“

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