Kontrollierte Natur

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Im Park spazieren gehen, grillen oder einfach nur mit Freunden auf der Wiese chillen. Das ist ein wahres Naturerlebnis. Wirklich? Künstlich angelegte Parkanlagen und schön dekorierte Blumenbeete sind alles andere als natürlich. Sie gaukeln uns lediglich Natur vor – gezähmt und bearbeitet. Das Erschreckende: Viele kennen den Unterschied nicht.

Städte bestehen aus Häusern, Straßen und Menschen. Hier und da lassen sich Gärten und Parkanlagen entdecken – ein Stück Natur. Natur, die im Zaum gehalten und den Bedürfnissen angepasst wird. Die Bäume sind gestutzt und Rasenflächen vertikutiert. Natur im Käfig. Technische Nachahmungen der Natur werden von Generation zu Generation immer realer wahrgenommen. So belegen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „Current Directions in Psychological Science“, dass die Menschen durch künstlich angelegte Naturgebiete fortschreitend abstumpfen. Das heißt: In Zukunft vergessen wir, was natürlich ist und wie die Natur wirklich aussieht.

Unkultivierte Natur – Fluch oder Segen?

Natur bedeutet Wildwuchs, Unkraut und Bäume, die in den Himmel wachsen. Im Grunde sind Urwälder heutzutage die einzigen Gebiete, in denen die Natur noch natürlich ist. Niemand legt Wege an oder achtet darauf, dass alles gepflegt aussieht. Doch das ist in Städten nicht möglich. Wenn wir der Natur ihre Freiheit lassen, brechen Baumwurzeln durch Asphalt, Moos verteilt sich auf Gehwegplatten und Unkraut überdeckt die Zierpflanzen. Aus diesem Grund versuchen wir, die Natur zu bändigen. Sie nach unseren Vorstellungen zu formen: Wir legen Parks an und pflegen das Grün unserer Vorgärten.

Wuchernde Sträucher und Urwaldwiesen sind in der Stadt fehl am Platz. Denn über kurz oder lang würde die Natur über die industrielle Zivilisation siegen. Die Konsequenzen wären unbewohnbare Häuser, eingeschränkter Straßenverkehr und ein erhöhtes Unfallrisiko. Die Lösung: ein Kompromiss. Wir erfreuen uns weiterhin an der künstlich angelegten Farbenvielfalt von Blumen und Bäumen. Aber lernen ebenso, die Natur und ihre unberührte Landschaften zu schätzen. Denn: Wir benötigen die Natur zum Leben – egal, ob sie künstlich oder natürlich ist.

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