Neuerungen der Pflegereform 2017
Wird jetzt alles besser?

Anzeige © Kzenon – Fotolia.com

Wenig Zeit für die Patienten und unangemessene Bezahlung: Pflegekräfte bemängeln das häufig an ihrem Job. Ob die neuen Pflegestärkungsgesetze das ändern können, bleibt fragwürdig. Für die Pflegebedürftigen bringen sie jedoch durchaus positive Nachrichten.

Gleich zwei neue Pflegestärkungsgesetze (PSG I und II) wurden 2015 und 2017 verabschiedet. Sie sollen die Landschaft der Pflege grundlegend reformieren. Sie zielen auf eine Modernisierung der Pflegeversicherung ab und behalten die steigende Anzahl an Pflegebedürftigen im Blick. Die wohl größte Änderung ist die Umstrukturierung der vier Pflegestufen in fünf Pflegegrade. Mit dieser Änderung steigen gleichzeitig die Leistungssätze der Pflegeversicherung. Die steigenden Leistungen finanzieren sich durch die Beitragserhöhung der Pflegeversicherung von circa 0,5 Prozent. Für die Ökumenischen Sozialstation in Wörth, bedeuten die neuen Gesetze zwar einen großen Mehraufwand, jedoch können die Pflegebedürftigen sich auf viele Verbesserungen einstellen.

Wie profitieren die Pflegebedürftigen?

Sowohl in der ambulanten, der niedrigschwelligen als auch in der stationären Pflege gibt es Änderungen: Empfänger von ambulanter Pflege etwa bekommen mehr Zuschüsse; zum Beispiel wird der Umbau für altersgerechtes Wohnen nun jährlich mit bis zu 4000 Euro bezuschusst – das ist eine deutliche Steigerung der vorherigen 2557 Euro. Stationär Gepflegte profitieren unter anderem von der höheren Anzahl an Pflegefachkräften in den Einrichtungen. Empfänger von niedrigschwelliger Betreuung (z.B. Tages- und Nachtpflege) bekommen eine Erhöhung des Pflegegelds. Regelmäßige Beratungsbesuche, Verbindliche Versorgungspläne und eine bessere Absicherung der Angehörigen runden die Reformen ab.

Der neue Begriff der Pflegebedürftigkeit

Viele Menschen, die eigentlich auf Hilfe angewiesen sind, hatten in der Vergangenheit das Problem, keine Pflegeleistungen zu bekommen. Das lag in erster Linie daran, wie die vorherigen Pflegestufen festgelegt wurden. Die neuen Pflegegrade bringen auch eine Änderung der Begrifflichkeit mit sich. Bisher beurteilte man die Pflegestufe am Bedarf der erforderlichen körperlichen Unterstützung. Mit den fünf Pflegegraden erfolgt die Beurteilung nun nach dem Grad der Selbstständigkeit auf körperlicher und geistiger Ebene. Die Selbstständigkeit der Bedürftigen wird durch ein zentrales Begutachtungsassessment festgestellt: Mobilität, kognitive sowie kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen, Selbstversorgung und der Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen werden unter anderem beurteilt. Etwa einer halben Million Menschen stehen nun Leistungen nach dem neuen Begriff zu.

Ein Dilemma für die Pflegefachkräfte?

Die steigende Anzahl an Pflegebedürftigen birgt eine große Herausforderung für die Pflegefachkräfte: Diese müssen sich auf höhere Anforderungen im Arbeitsalltag und einen größeren Pflegeaufwand einstellen. Eine Umfrage des Fachverlags Vincentz Network in Kooperation mit dem Markforschungsinstitut cogitaris aus dem Herbst 2016 zeigte: Pflegekräfte sehen sich bereits am Limit und stehen den Neuerungen kritisch gegenüber. Sie erwarten höhere psychische und körperliche Belastungen. Der Pflegedienst der Ökumenischen Sozialstation weiß: Die Neuerungen bedeuten viele neue Herausforderungen für die Fachkräfte. Allerdings ist es wichtig, dass die Pflegebedürftigen ganzheitlich erfasst werden. Die geschulten Mitarbeiter der Sozialstation informieren Bedürftige und Angehörige gerne über die Reformen und erklären alles im Detail.

Diesen Beitrag kommentieren

Magazin herunterladen

Kostenloser PDF Download

Artikel bewerten

1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne (Noch keine Bewertungen)
Loading...